„Never change a running system“

Oberschule wird nicht zur Gesamtschule

Die Elternbefragung zur Einführung einer integrierten Gesamtschule (IGS) in Nordenham am Standort der jetzigen Oberschule 1 ist abgeschlossen. Im Ergebnis wurde die notwendige Zügigkeit der Jahrgänge als Grundlage für eine Beantragung bei der Landesschulbehörde nicht erreicht.

Rechtlich vorgegeben ist eine Mindestgröße von vier Zügen. Dabei ist von einer Schülerzahl von 24 Schülerinnen und Schülern je Zug auszugehen, so dass insgesamt mindestens 96 Schülerinnen und Schüler je Schuljahrgang benötigt werden. Von den insgesamt ausgegebenen 1.351 Fragebögen wurden 907 zurückgegeben. Das entspricht einer Quote von 67 %. Insgesamt haben sich 292 Eltern für die Gründung einer IGS ausgesprochen, 597 für eine andere Schulform, 17 haben sich enthalten. Damit ist in keinem der jeweiligen Jahrgängen die Mindestzahl von 96 Schülerinnen und Schülern erreicht worden.

In der Sitzung des Arbeitskreises Schulentwicklung am 12. September 2017 wurde das Ergebnis der Elternbefragung vorgestellt. Es bestand Einigkeit bei den Abgeordneten des Kreistages und den Vertretern der Kreisverwaltung, dass damit eine deutliche Entscheidung durch die Eltern getroffen wurde. Das Verfahren zur Gründung einer IGS ist damit abgeschlossen, eine Antragstellung kann unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen nicht erfolgen.

Mit Bedauern reagierte die Schulleitung der Oberschule 1 Nordenham auf den Ausgang der Elternbefragung zur Einrichtung einer IGS in Nordenham. „Ich bin schon etwas enttäuscht“, räumte Schulleiterin Heidrun Beck ein: „Wir hätten gerne dazu beigetragen, die Schullandschaft in Nordenham vielfältiger zu gestalten.“ Sie verweist auf zahlreiche Städte, in denen Eltern die Möglichkeit haben, sich für die seit 40 Jahren erfolgreich etablierte Schulform zu entscheiden.

Besonders für die Eltern, die von dem IGS-Konzept überzeugt werden konnten, sei bedauerlich, dass Nordenham nun keine Gesamtschule bekomme, so Frau Beck. Die anscheinende Zufriedenheit mit dem erfolgreichen System unserer OBS 1 führte wohl dazu, dass die Eltern das zusätzliche Angebot einer IGS nicht brauchen, denn: „Vieles, was die IGS ausmacht, leisten wir bereits an der Oberschule 1.“ Sie verweist auf die hohe Attraktivität des Schulangebots in der Pestalozzistraße. In den vergangenen Jahren sei die Schülerzahl stetig gestiegen. Mittlerweile werden 640 Kinder in 24 Klassen unterrichtet – drei der sechs Jahrgänge seien bereits fünfzügig. „Never change a running system mag der Gedanke einiger Eltern gewesen sein“, vermutet Frau Beck.

„Eine genaue Analyse werden wir in den Gremien unserer Schule vornehmen und dann überlegen, wie wir unser Angebot für die Schülerinnen und Schüler im System Oberschule dennoch weiter ausbauen können.“ So ist zum Beispiel bereits eine weitergehende Zusammenarbeit mit Nordenhamer Handwerksbetrieben in Planung. „Viele Kolleginnen und Kollegen haben sich für die Einrichtung einer IGS engagiert und neben ihrer Unterrichtsverpflichtung zusätzlich viel Arbeit auf sich genommen. Ihnen gilt der besondere Dank der Schulleitung“, sagt Frau Beck. Ebenso dankte sie dem Schulelternrat, dem Schulvorstand und der Gesamtkonferenz sowie dem Fachdienst Schulen der Kreisverwaltung für die Unterstützung und Begleitung während der Antragsphase.

| Text: Herr Lange |